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Donnerstag, 22. Februar 2018

Abschied vom Aal,
Abschied vom Dorsch...

Wieder winters wuselt unsereiner oben an der Küste rum...
Es ist nicht mehr wie in den Neunzigern, als nur jedes dritte Haus geöffnet war und abends die Bürgersteige hochgeklappt wurden. Nein, die Ostostsee ist beliebter denn je. Und Zinnowitz ist gewissermaßen unser Wunschort auf Usedom.

Da beginnt der Tag mit Planschen im hauseigenen Planschbecken - zwei, drei Kraulschläge, fünf Minuten Whirlpool, kurz unter den Wasserfall, wieder Whirlpool...
Beim Frühstück lässt man sich viel Zeit und geht nicht, bevor Kaffe ausgetrunken und Lokalzeitung ausgelesen sind. Das hat schon irgendwie den Charakter eines Rituals, denn daran erkennt man unweigerlich, dass tatsächlich Urlaub (!) ist.

Die Nachrichten, unseren Planeten betreffend, sind schon schlimm, aber zum Glück ganz weit weg. Den Krieg in Syrien oder Myanmar kann man nicht direkt spüren. Man bemerkt keine Erschütterungen, kein Rumoren.
Man spürt ja nicht einmal, wenn der Boden einstürzt, selbst wenn es quasi gleich um die Ecke passiert.
Das Loch auf der A20 ist inzwischen 94 Meter lang und sechs Meter tief. Das ist Ingenieurskunst!
Und die globale Erwärmung nimmt man eigentlich auch nur wahr, indem man bedauert, dass es im Februar hier oben keinen Schnee gibt.


Man spaziert dann am Strand, entweder nach Trassenheide oder Richtung Zempin, immer mit Mütze und manchmal sogar mit Kapuze. Logisch, denn meistens pfeift einem ein feiner (oder auch stärkerer) Wind ins Gesicht.
Während man sich mittags auf den feinen Fisch abends freut, kommt man nicht umhin, wenigstens einen leckeren nicht zu großen Fischimbiss einzunehmen - mal ein Süppchen, mal eine Schrippe mit diesem oder jenem Fisch. Und weil der Fisch bekanntlich schwimmen muss, kommt meist ein Lübzer noch dazu.
Aber, dass die Aale verschwinden, ist schon krass und auch direkt wahrnehmbar. Ein Fischer erzählte, dass die Franzosen Unmengen Glasaale an die Chinesen verscherbeln und hatte den Schuldigen parat.
Kann das sein?

Nun gut, es ist ja Urlaub!
Also begnügt man sich ein letztes Mal mit einer Räucheraalschrippe zur Mittagszeit und nimmt dabei ganz bewusst Abschied vom Aal.
Vielleicht sogar für immer.

Und, was soll ich Ihnen sagen, abends steht fast genauso der Dorsch auf der Abschiedsliste. Spelunken, die diesen noch immer in ihrer Karte führen, müssen beim Bestellversuch meist leider verneinen.
Aber dennoch fanden wir eine nette Kneipe, ganz im Stil des ollen Admirals im roten Hemd, dessen historische Hängematte mit unseren heutigen Babybettchen konkurrieren könnte, in der an der Tafel mit den gewissen täglichen Extras wirklich 'Dorsch' angeschrieben stand.

Nichts wie hinein! ...zum Abschied nehmen.
Fein auf der Haut gebraten, dazu Butterkartoffeln - was will man mehr?

Die tränengetrübten Augen bestaunten dann auf jedem Tellerchen zwei ganze Dorschfilets.
Zwei ganze Dorschfilets! So klein sind also die Dorsche schon...

Es wird offensichtlich Zeit, zu verzichten!

Erholen auch Sie sich!
Ihr ab sofort nur noch Grünalgen verzehrender Frosch






Dienstag, 17. Februar 2015

Strand und Meer und mehr

Es ist gar nicht mal so lange her, als sich im Winter an der Ostsee Fuchs und Hase "Gute Nacht!" wünschen konnten.
Nun ja, im Laufe der Jahre hat sich jedenfalls herumgesprochen, dass es auch an der winterlichen Ostseeküste ganz schön sein kann.

Vorbei scheinen jedenfalls die Zeiten, als man weder am Strand, noch im Wald beim Spaziergang Leute getroffen hat.
Ja, es kam schon mal vor, aber eben nur mal.
Immerhin gibt es jetzt schon wieder jeden zweiten oder dritten Mülleimer an der Strandpromenade. Man muss also nicht mehr seine Bananenschale von Ahlbeck bis Bansin herumtragen. Die Kurtaxe macht's wohl möglich.
Allerdings reicht es wohl nicht mehr für die Toiletten. Der sehr dringliche Klogast (also Toilettentourist) muss leider bis Ende März warten.
Wenn das mal gut geht...

Nun könnte man denken, dass dort oben das Leben tobt. So schlimm ist es aber doch noch nicht, da mindestens die Hälfte aller Häuser noch Pause macht. Ebenso die Hälfte aller Restaurants.
Ergo drängeln sich die Ostseeurlauber schon beim Frühstück in der Hotellobby und später im Restaurant. Man könnte fast sagen, dass die sortierten Essensdurchgänge beim FDGB-Feriendienst gar nicht mal so unpraktisch waren...
'Tschuldigung, Sie haben darüber ja gewiss nur Schlechtes gehört.

Na ja, jetzt wird man eben mal noch für 'ne halbe Stunde weggeschickt.
Mit hungrigem Magen kann man ruhig mal zur Seebrücke latschen und wieder zurück, und wenn immer noch kein Platz sein sollte, latscht man eben nochmal.

Dafür überbieten sich die Häuser gegenseitig mit Sonderleistungen und preiswerten Arrangements. Fast schon Standard sind enthaltene Abendessen im eigenen Haus und der kostenlose Besuch der Therme nebenan. Man geizt auch nicht mit Rabatten bei Massagen und Gesichtskosmetik. Nur das hauseigene Schwimmbad könnte doch ein wenig wärmer sein...


Die Ostseeküste eint jetzt auch gewissermaßen unser Land, obwohl man doch sofort weiß, woher derjenige kommt, der für sein 13-jähriges Kind für zwei, drei Tage Abwesenheit zu Hause eine Betreuung organisieren musste.
Die sind auf jeden Fall keine Rabeneltern.
Mass auch mal gesagt sein!

Trotzdem, armes Kind!
...sturmfreie Bude war doch immer herrlich, auch wenn man kurz vor dem Wiedererscheinen der Eltern sehr viel aufzuräumen und zu putzen hatte.

"Schweine raus, Preußen rein!" gilt für den Fremdenverkehr der Ostseebäder nur noch bedingt. Deswegen fühle ich mich auch immer wieder eingeladen, und der Sealord entschädigt auf jeden Fall für das Gedränge beim Frühstück.

Gute Fahrt!
Ihr reisender Frosch


Donnerstag, 31. Januar 2013

Das soll ein Tümpel sein?

Überhaupt nicht! Das ist eben die Ostsee.
Obwohl das eigentlich ja auch völlig falsch ist. Von meinem Tümpel aus betrachtet ist die Ostsee die Nordsee, die Nordsee die Westsee, und da, wo die Ostsee sein müsste, befindet sich die Oder. Oder sehen Sie das anders?! Schauen Sie es sich doch mal an bei Googles Landkartendienst.

Jedenfalls lässt unsereiner sich bei plus zehn Grad ordentlich den Wind um die Nase wehen, während Kinder und Enkel den schlafenden Tümpel bewachen und die Katze füttern müssen. Angereichert mit Ostseezuckersand ist der Wind wie ein schmerzliches Hautpeeling, falls man seine Glubschaugen rechtzeitig zumachen kann. Sonst... Ja, sonst tut es da auch noch weh!



Obwohl jede Menge Schnee auf dem Wunschzettel stand, gibt es davon hier nur Reste am Strand. Möwen hopsen drauf rum, Sand weht den letzten Schnee allmählich zu. Trotzdem ist es schön, den Tag mit dem Schwimmbad zu beginnen, ehe man sich am Kaffee labt. Man kann rumlatschen, kann außer der Reihe und vor zwanzig Uhr Rotwein trinken, kann sich im neuen Tarantino ordentlich mit Blut besudeln lassen, fangfrischen (?) Fisch genießen und bei Bedarf auch noch aus einer feinen Auswahl an Whiskies wählen.
Jetz hab' ich es Ihnen also verraten: Wir sind gerade mal kurz in Zinnowitz. Aber nicht nur der Sealord beeindruckte mit seiner Karte, sondern auch der eher hässliche Neubau-Riesenklotz aus Wismut- und FDGB-Zeiten, der sogar Bruichladdichs Second Edition neben Macallans Sherry Oak aufzählt.



Leider ist es so, dass, noch bevor die Sachen wieder richtig trocken sind, wir bereits wieder zu Hause sein müssen. Kurzurlaub würde nicht so heißen, wäre er nicht kurz. Zu kurz!
Und das mit dem Nass ging so: Gestern also kam ein plötzlicher Eisregen von oben (woher sonst!), der innerhalb von nur zehn Sekunden Hosenbeine und Schuhe völlig durchnässte. Beeindruckt und fast gelähmt von der heraufziehenden schwarzen Wand, schaffte ich es gerade noch, die Knipskiste wasserdicht zu verstauen, ehe die Gegend um Peenemünde völlig undurchsichtig wurde.





Unterstrichen durch die Schilder am Wegesrand, fühlte man sich kurzzeitig wirklich wie im Strudel eines englischen Tiefspülbeckens...
Trotzdem gehören Regen und Sonnenschein irgendwie zusammen, und der April ist ja nun auch nicht mehr so weit weg.

Viel Spaß bei Ihren Winterausflügen, und vielleicht kommt ja auch noch mal richtiger Schnee...
Ihr Frosch, gerade noch am Ostseestrand

Freitag, 11. Februar 2011

Urlaubszeit in Zinnowitz und die bescheuerte Angewohnheit, blöde Nummern zu verwenden

Urlaub!
Der glücksgefärbte Ausruf des gebeutelten Werktätigen, denken Sie.
Nee, HIER ist Urlaubszeit - der Smutje hat zu...
Das ist zwar wirklich ärgerlich, mögen wir doch die dortige Küche besonders gern, aber es gibt auch noch andere Lokalitäten, in denen man ganz gut essen kann.
Und man isst mehr, viel mehr, als vielleicht gut ist, Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren hin und her diskutiert.
Jede Mahlzeit erfordert dann einen leckeren Sanddornlikör zur besseren Verdauung.
Könn'se glauben!



Nun ja, heute habe ich mir jedenfalls ein herzhaftes Rotbarschfilet mit warmen Specksalat genehmigt, und hin und wieder habe ich möglichst unauffällig zum Nachbartisch gelugt.
Die dort haben die Neun und die Siebenundzwanzig gegessen. Zum Nachtisch gab's dann die Hundertneunzehn.
Ob das eine Alternative zum Sanddornlikör sein kann?
Glauben Sie das nicht!

Ahoi sagt Ihnen
Ihr satter Frosch

PS:
Manchmal sind Nummern gar nicht so schlecht. Nummerierung schafft Eindeutigkeit und Ordnung!
Aber "Einen Espresso bitte." klingt in meinen Ohren einfach besser als "Die Hundertneunundneunzig!".
...und das nicht nur wegen des winzigen Wörtchens mit dem doppelten T.

Danke jedenfalls an Alex und Felix.
Hoffentlich hat auch alles so geklappt, wie es sollte.
Ich genieße weiter den stürmischen Seewind und sammle Strandgut, wenn es hier schon keinen richtigen Winter gibt.
:-)

Donnerstag, 21. Mai 2009

Herrentag auf Usedom

Wie Sie sehen, habe ich es doch geschafft, mich aus dem Urlaub zu melden... Und wie Sie sehen, mache ich auch in der Ostsee eine ganz gute Figur, oder? Ich weiß, das war jetzt gewiss eine Suggestivfrage...

Hier ist es jedenfalls wirklich sehr schön. Einige baden schon, viele sonnen sich, wandern den Strand entlang, durch weißen, weichen Sand, wobei die Wellen die Füße umspielen (Nicht ein einziges Steinchen ist leider zu finden, geschweige irgendwelche Fossilien, die die Ostsee sonst so interessant machen!). Und, ich will nicht verschweigen, dass man immer öfter hier ganz oben ganz im Osten Altbundesbürger antrifft, und die sind nicht hier, weil sie in Polen tanken oder stangenweise Marlboro einkaufen wollen. Na klar, die Preise haben sich hier ja auch ganz gewaltig 'angeglichen'. Die aktuelle deutsche Armutsstatistik weist jedoch gerade für Meck-Pomm ganz ganz ganz miese Zahlen aus. Nicht jeder hat eben ein Häuschen zu vermieten (oder eben einen Hasenstall wie früher).
Ach, und woher ich das mit dem Touristenanteil der Altbundesbürger wissen will? Jetzt kann ich wieder meine Klischees herauskramen. Passen Sie auf! Wer geht schon mit gepanzerten Strandschuhen über den weichen Sand!? Wer hüllt seine buddelnden Kinder in norwegische Regenhosen und Gummistiefel als Schutz vor der bösen, kalten See?! Und, wer grüßt nicht im Frühstückssaal?! Genau!
Herrlich diese Klischees! Dafür habe ich beim Holzhacken (Symposium der Holzbildhauer) sehr nette Hessen und Schwaben getroffen. Ja, wir sind sogar in längere Gespräche verfallen, haben versucht die Holzskulpturen aus verschiedener Sicht zu interpretieren. Es war interessant und nett! Nun ja, jetzt muss ich auch zugeben, dass ich nicht genau weiß, ob die Gummistiefelfamilie wirklich aus dem Westen kam. Aber sie haben auf jeden Fall deutsch gesprochen. Glauben Sie's mir!
Ich will an diesem sonnigen Feiertag überhaupt nicht weiter meckern. Ich sage Ihnen nur noch ganz schnell 'Prost', äh nee, 'Tschüss'.
Also, herzlichst
Ihr reizender reisender Frosch