Samstag, 10. Oktober 2015

Gourmettempel in Kaulsdorf


Wer kennt es nicht - Kaulsdorf?
Sehen Sie, des Frosches Tümpel ist nicht nur an sich bekannt und prominent, nein, selbst des Frosches Wohnort ist in aller Munde. Und, apropos Munde, gleich am S-Bahnhof hat ein ganz neuer Gourmettempel seine Pforten geöffnet. Und der, dem mehr nach Bier zumute ist, kommt voll und ganz auf seine Kosten.
Dann kosten Sie sich auch gleich mal durch, durch, wie am Eingang zu lesen ist, "Alle Biermarken".
Alle Biermarken!


Fragenden Blickes schaut man sich um im Innern.
Sogleich wird man freundlich begrüßt mit der Frage: "Ja, und...?!"
"Ähh, ich hätte gerne ein Bier."
"Watt'n?"
"Na ja, ein schottisches Pale Ale vielleicht, oder..."
"Een Tyskie kann ick Dir geben!"
"Oder?"
"Wie oder? Siehste doch, watt wa ham: Berliner, Beck's, Tyskie!"
"Ja, danke, aber ich sehe ja selbst die Flaschen da stehen. Ich dachte ja nur, wegen 'Alle Biermarken' draußen neben der Tür."
"Ham wa ja ooch!"
"Na gut. Vielen Dank jedenfalls."
"Ja."

...dann also doch Tümpelwasser!
Ihr durstiger Frosch

Dienstag, 6. Oktober 2015

Kultureller Abend


Manches erzählt man gerne in Stichpunkten, weil damit der Alltagstrott, also dieses Alltagsgehetze, gut zum Ausdruck kommt.
Nicht so gestern Abend.


Man konnte bereits in der U-Bahn "entschleunigen", traf sich im Restaurant, wählte mit Bedacht aus der Auswahl kulinarischer Ankündigungen, genoss und redete und ging dann ganz gemütlich zum Abendtreff ins BE.
Amphytrion gab's, inszeniert von Frau Thalbach persönlich.

Das kurzweilige Stück von Kleist, Moliere und Plautus und und und machte Spaß.
Sparsame Dekoration, ganz im alten Sinne des BE, schöne Lichteffekte, bewegte und wabernde Stoffe, Knall und Peng ließen einem die absurde Situation - die eigene Identität an jemanden abzugeben, an jemanden zu verlieren - nachvollziehen.
Immer wieder schön ist auch, dass man Hinz und Kunz, den einen oder anderen Nachbarn, Freunde, Verwandte, Kollegen und sogar Leute, die man so gar nicht leiden mag, im Stück wiederfindet. Mit gewissem Augenzwinkern lassen sich hierbei die aufgesetzten oder eingefügten Klischees leicht übersehen, die meist ja auch, und im Allgemeinen, als sehr spaßig empfunden werden.

Trotz komischer Situationen gab es keinen Gewinner im Stück?
Na klar, Herkules wurde gezeugt.
Das ist der Gewinner!


Noch eine ganze Weile konnte man anschließend mit den Akteuren, und natürlich Frau Thalbach, quatschen, Fragen stellen und auch sehr sachkundige Bemerkungen loswerden.

Vielen Dank, aber in Murphy's Pub sind wir danach dennoch gegangen, also gehopst...

Gute Nacht!
Ihr Kulturfrosch

Montag, 5. Oktober 2015

Nach Norden, nach Norden!


Wiedermal zog es unsereinen nach Norden.
Nein, nicht etwa, weil der um einige Tage vorverlegte Republikgeburtstag bevorstand, einfach nur, ums sich den Wind etwas um die Nase wehen zu lassen.
Und das tat er erst überhaupt nicht!



Der Norden von Usedom begrüßte uns mit bunten Fähnchen und allerlei kulinarischen Genüssen. Das Drachenfest war angekündigt, und tatsächlich Punkt 15:00 Uhr begann ein leises Lüftchen für den nötigen Aufwind zu sorgen. Nicht alle Drachen waren bei dieser leichten Brise flugfähig, aber unsereinem gelang es, erstmalig während der gesamten Tümpellaufbahn, den Drachen steigen zu lassen.
Meine lieben Enkelkinder, Ihr könnt Euch schon mal freuen!
Opa kann's jetzt!

Dieses Allerlei für Kind und Kegel wurde gekrönt mit dem inzwischen über die Insel hinaus bekannten Feuerwerksdomino von Karlshagen bis Ahlbeck.
In zehnminütigen Abständen entflammte hierbei die Küste von Ort zu Ort von acht bis dreiviertelzehn.




Und Party gab's am Strand und Gegrilltes und Gebrutzeltes.
Eine mobile Cocktailbar warb mit Kubanischen Spezialitäten, hatte aber den Cubata leider nicht im Repertoire. Für den Añejo 7 Años war das Mobil dann wohl doch zu klein...

Aber es gab Eis.
Softeis, das den Gaumen ankratzte, weil das dazugegebene Wasser wohl nicht ordentlich homogenisiert war.
Das Eis landete erwartungsgemäß im Eimer.
Und in Erwartung derartiger Kritik(en) haben die Royalen Eisexperten vorsichtshalber gleich mal das vordere Nummernschild entfernt und das hintere mit Klebeband abgedeckt. Wirklich klever, denn der gemeine Leckfreudige hatte so keinen Anhaltspunkt mehr für irgendwelche Beschwerden!



Aber wer lässt sich schon so einen schönen Tag vermiesen? Unsereiner nicht!
Der einzige Wehrmutstropfen war und ist und bleibt jedesmal die immer viel zu kurze Verweilzeit.

Man kann die Fischköppe durchaus beneiden ob ihrer schönen "Badewanne". Mein Tümpel passt doch da, grob geschätzt, mindestens 22 mal hinein...

Könnse glohm!
Ihr Wind- und Reisefrosch

Donnerstag, 24. September 2015

Diesel ist ja sooo gesund!


Nöö?
Jetzt kiecken Sie wohl komisch, wenn ich Ihnen sage, dass meine Mühle gänzlich ungeklärte (ungeschönte!) Dieselabgase produziert, die zwar die Atmosphäre vergiften, aber nicht winzig genug sind, als "lungengängig" (< 1 µm) eingestuft zu sein.
Diese Dieselrußbröckchen schniefen Sie einfach wieder aus. Der Schnodder sieht dann zwar schwarz aus, aber weg ist der ganze Dreck.
...und wenn nicht ganz weg, dann wenigstens im Taschentuch. So!

Nun ist es leider so, dass mir seit Jahren der Besuch bei den Eltern, Kindern oder Enkelkindern in der Innenstadt verwehrt wird.
Jedenfalls im eigenen "Wagen".
Und wenn doch, dann auch nicht ohne permanente Gefahr, Geld zu verlieren, oder wie bis vor einer Weile noch, Punkte in Flensburg zu gewinnen.

Inzwischen hat die Politik jedoch eingesehen, dass das bescheuerte Konzept der "Umweltzonen" doch blödsinnig ist:
Für den Montag haben sich Mitarbeiter des Bezirksamtes angemeldet, mir endlich die GRÜNE PLAKETTE auf einem silbernen Tellerchen überreichen zu dürfen.
Und das dürfen sie!


An dieser Stelle auch ganz besonderen Dank an VW, denn ohne diese perfide Schummelei beim Schönen der Dieselabgaswerte hätte niemand mehr darüber nachgedacht, und alles wäre beim Alten geblieben.
Aber jetzt wissen wir, Ruß ist nicht gleich Ruß. Und solitäre Feinstaubpartikel sind viel gefährlicher für die Gesundheit als schnöder, klumpiger Krümeldreck, der aus "meinem" alten Auspuff kommt.

Qualmen Sie wohl, aber schnüffeln Sie nicht zu viel!
Ihr Knatterfrosch

Mittwoch, 16. September 2015

Besuch am Tümpel und spätere Migration

Forellenfischen in Amerika kam zum Tümpel nach Kaulsdorf, und zwar dortselbst im Todesjahr von Mr. Brautigan, 1984, ...ganz genau am ersten April, also gut 150 Tage vor dem gerade angedeuteten Ableben.
Schade nur, dass damals der Tümpel - also dieser ganz spezielle Pfuhl, in dem sich Frösche und Molche tummeln, Zwergwelse herumwuseln oder Moderlieschen im Sonnenlicht synchron schwimmen - überhaupt noch nicht existierte. 
Und Forellen gab es auch später nie darin!

Selbst zehn Jahre danach, oder sogar fünfzehn Jahre danach stand an dieser Stelle noch immer ein kränklicher Birnenbaum, der dann irgendwann bald, u.a. auch der Krankheit wegen, zu Kaminholz umgewandelt wurde.
Der Birnengitterrost und eine große Menge Faulheit bzgl. zu erwartender Rasenpflege war Schuld daran, mittelbar und eher indirekt Quakfrösche anzulocken, die manch Nachbar gerne vergiften würde - jedenfalls so in der Zeit um Ende Mai/Anfang Juni, ...eigentlich.

Der erste patschefüßige Grünling sprang jedenfalls schon in die Fluten, als das initiale Tümpelwasser noch hineinlief: Er tauschte also seine 200-Liter-Sommerwohnung gegen gute 20 Kubikmeter kühles Nass ein... bis er dann am 3. Mai 2010 mit sechzig anderen auf mysteriöse Weise hingemetzelt worden ist.

Eine neue Population hat sich kurz danach natürlich wieder etabliert. ...Zuwanderung und Vermehrung! Wobei auch keinesfalls ungenannt bleiben darf, dass die Neulinge etwas anders waren, nämlich neue Wege der Fortbewegung über gefährliches Wasser lernten.
Quatsch, ich rede nicht vom Fliegen! 
Ich meine das Gehen (also Hopsen) übers Wasser.


Na ja, jetzt genießen allerdings alle dort die Liebe, laue Abende beim Spiel oder auch Duftschwaden, die vom Feuer herüberwehen, das eine oder andere Mal auch geschwängert mit rauchigen Fassnoten alkoholischer Unikate. Musik der Sechzigerjahre weht manchmal zum Tümpel, und ab und zu hört man, jedenfalls wenn man sehr leise ist, auch das Klirren blanker Schwerter.

Sollte mich jetzt erneut Forellenfischen in Amerika besuchen, würde ich mich mit ihm ans Ufer setzen, nach einem winzigen Stielglas greifen, flackerndes Feuer in den Augenwinkeln wahrnehmen, das Platschen der spielenden Welse im Ohr..., und ich würde ihm zuhören. 
Gut zuhören!
Und auch Mr. Vonnegut dürfte sich dazusetzen und der eine oder andere und sogar Bernd.

Mein Tümpel dürfte noch einmal fünfzehn Jahre alt werden, ehe man zurückblickend hoffentlich sagen darf: 
"Das war aber vorgestern ein schönes Wiedersehen!"

Auf demnächst oder morgen also!
Ihr psychedelischer Frosch

Samstag, 5. September 2015

Zahnputzbecheralarm!

Wie jedes Jahr zum Herbst hin steigt die Vorfreude des Whiskygenießers in der vielleicht interessantesten Metropole der Welt, dem Dorf Berlin nämlich.
Der Freund der eichenfassgelagerten Spezialitäten hält dann schon eine ganze Weile Ausschau, wann und wer und überhaupt...


Wie Sie vielleicht schon wissen, zog der einstige "echte" Cöpenicker Whisky-Herbst fort aus Köpenick, und die Köpenicker machten trotzdem an selbiger Stelle weiter wie gewohnt, und weil natürlich erst mal die Aussteller umdirigiert werden mussten, lockte man mit günstigen Standmieten. Logisch soweit.
Das Gezanke ging aber weiter. man raufte sich des Namens wegen, buhlte um Besucher, stritt um (also für) Terminüberschneidungen...
Die Whiskyherbstbesucher sind seitdem gespalten: eine Fraktion genießt lieber das Ambiente an der Dahme, andere wollen die evtl. größere Vielfalt in der Malzfabrik in Schöneberg, und wieder andere wollen oder müssen einfach auf beiden Hochzeiten tanzen, selbst wenn alles am gleichen Wochenende stattfindet.

Und wie stets im September kommt einem wieder in den Sinn, ob die nicht endlich mal einen Dram gemeinsam trinken könnten und dabei vielleicht beschließen, dass Berlin groß genug wäre, halbjährlich derartiges abzuhalten? Nee, stattdessen klauen die sich gegenseitig die zahlenden Besucher... Da hilft auch kein Gefasel und Gelaber, "Wir sind das Original!" oder so.
Andersrum stört wohl auch wenig den Besucherandrang, dass die Köpenick-Plakate seit Jahren von einem Zahnputzbecher verunstaltet werden. Na ja, deren Webseite allerdings auch...
Der Interessierte weiß ja schließlich, was gemeint ist, und der Nicht-Interessierte ahnt, dass es um Whisky gehen könnte - ...kennt man ja schließlich aus'm Cowboyfilm, wo die Becher den Tresen entlangrutschen müssen, ohne umzukippen.


Bekannte Celtic Folk Bands wechseln sich ab und spielen mal hier und mal dort. Der Irish Stew hat wieder Lammfleisch drin, nur die einzige Berliner Dudelsackspielergruppe muss sich entscheiden, wohin sie geht.






Ich will nicht unken, aber irgendwie denke ich, dass das kein Dauerzustand bleiben wird. Wenn die Herrschaften wirklich mal zu Stift und Papier greifen würden (oder zum Taschenrechner) müsste es eine gute Lösung für alle geben.
Der Mammon siegt!

Aber darum soll es ja angeblich nicht gehen, sondern allein um den Genuss.
Wer's glaubt wird selig, oder?

Schönes Wochenende und viel Spaß natürlich auch in der Malzfabrik!
Ihr seliger Frosch

PS:
Gruß an das Whisky-ZK. 15:10 Uhr am S-Bahnhof?
Kann leider nicht mitkommen.
Viel Spaß Euch!

Mittwoch, 19. August 2015

Kulturschock

Kulturschock ist etwas, was wir häufig mit dem Begriff Ausland verbinden. Man schockt nicht selbst, man wird geschockt, oder?

Nun ja, vergleicht unsereiner Länder und Sitten miteinander...

Aber bleiben wir doch einfach bei den Schotten:
Bei uns knackte das Gebälk ob der großen Hitze, mit 38 Grad in Berlin, auf Skye [An t-Eilean Sgitheanach] erlebte man einen eher "verhaltenen" Sommer bei nur dreizehn Grad.
Zeitgleich, wohlgemerkt!


Und jeder weiß, dort trinkt man Whisky [Uisge-beatha], bei uns dagegen Bier.
Deutschland - die große Biernation!

Immerhin bekommt man in Kneipen bei uns meist zwei verschiedene Biersorten vom Fass. Ist es mitunter nur eine, hat man vielleicht Pech. Jedenfalls, wenn es nicht die Richtige ist...

Bei den Whiskytrinkern gibt es natürlich auch ganze Kühlschränke voller internationaler Standardhopfengetränkeflaschen, die auch ab und zu bestellt werden. Vom Fass gibt es jedenfalls häufig dort auch Heineken, Stella Artois und andere Sorten, die in jedem Winkel dieser Welt immer gleich schmecken und die unsereiner seit gefühlten einhundert Jahren nicht mehr so richtig mag.

Nein, der Zapfer steht gewöhnlich hinter einer ganzen Batterie von Zapfapparaten, die entweder von selbst den gelben oder braunen Saft freigeben, oder aber mit Muskelkraft gepumpt werden müssen.

"Oh, Sie möchten ein hiesiges Pale Ale?
Dann probieren Sie doch mal dieses..." [Eine Kostprobe wandert über den Tresen] "...oder dieses hier, oder das von der Insel nebenan."
Und wenn man sich schon entschieden hat, welches dieser kräftigen, bitteren und trüben Biere ins Pint-Glas soll, muss man doch noch ein weiteres Mal probieren, denn "diese Kostprobe ist aus der selben Brauerei..."

Geschockt von dieser Art Freundlichkeit und Entgegenkommen kann sich der grüngetupfte Gast dann nur noch am Glas festhalten, gebannt auf die einzelnen Hähne schauen und sich auf einem Thekenstuhl niedersinken lassen.

Dieser Schnupperkurs geht dann aber ganz sicher auch weiter, wenn man erst nach dem "richtigen" einheimischen Getränk fragt:
     nicht kühlgefiltert soll es nämlich sein,
     ordentlich torfig,
     möglichst nicht gefärbt
     und dazu noch von einem unabhängigen Abfüller.

Aber das ist ein anderes Kapitel, noch dazu eines, zu dem man auch jede Menge Zeit mitbringen muss...

Slàinte mhath!
Ihr ziemlich geschockter Frosch